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Curriculum Soziales Lernen
1. Allgemeine Grundsätze:
Allgemeine Grundsätze für das Soziale Lernen finden sich im Vorwort zu den Rahmenlehrplänen und auch im Vorwort der Rahmenlehrpläne der verschiedenen Fächer.


Rahmenlehrpläne der Grundschule:
Die Grundschule soll Schüler/innen bei der Entwicklung und Stärkung ihrer individuellen Persönlichkeit unterstützen und ihnen eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Die Schüler/innen lernen durch aktives Mitwirken demokratisches Handeln. Sie sollen zu Mitbestimmung und Teilhabe befähigt werden und sollen lernen, Mitverantwortung zu übernehmen.
Grundlegende Bildung zielt auf die Bewältigung und Gestaltung von Lebenssituationen. Schüler/innen lernen sich mit Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens zu befassen. Wertorientierungen werden angebahnt. Sie sollen fähig sein zur Selbst- und Mitbestimmung sowie zum solidarischen Handeln. Handlungskompetenz ist das Ziel schulischer Bildung und Erziehung. Dazu gehören Sach-, Methoden-, soziale und personale Kompetenz.

2. Entwicklung des Curriculums Soziales Lernen an der Moabiter Grundschule
Die Schule hat die soziale Erziehung als einen Entwicklungsschwerpunkt in ihrem Schulprogramm verankert.
In den Jahren 2006-2009 hat das gesamte Kollegium (Lehrerinnen, Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher) an Studientagen und Fortbildungen zur Sozialen Erziehung teilgenommen, die von Frau Wichniarz und Frau Neumann angeboten wurden. Wir sind bei den Terminen theoretisch unterwiesen worden, haben diskutiert und vor allen Dingen viele praktische Übungen zu allen Handlungsfeldern des Sozialen Lernens kennen gelernt und auch durchgeführt.

3. Soziales Lernen im Unterricht und in der Schule:
Soziales Lernen kann nicht isoliert von einzelnen Pädagoginnen im Unterricht beigebracht werden und dann gelingen, sondern muss Schritt für Schritt gezielt und konsequent vom ganzen Team (Schule, Hort , Familie etc.) gewollt und eingeübt werden. Soziales Lernen bietet Kindern und Jugendlichen Übungsfelder zur Entwicklung und Förderung eines positiven Sozialverhaltens, stärkt ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwertgefühl durch Bewusstmachung und Anerkennung ihrer persönlichen Qualitäten, fördert den bewussten und angemessenen Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen, verbessert die Einbindung in eine Gruppe Gleichaltriger und die Fähigkeit zur Solidarität auch mit Andersdenkenden, verlangt die Kritikfähigkeit sich selbst sowie der Gruppe gegenüber und fördert den Widerstand gegen negativen Gruppendruck. Soziales Lernen befähigt Mädchen und Jungen zu demokratischen Handeln, ist Gewaltprävention und trägt zum friedlichen Umgang miteinander bei, ist interkulturelles Lernen, beugt der Entstehung von Sucht und Orientierungslosigkeit vor, verbessert fachliches Lernen in der Klasse und bereitet auf berufliche und private Anforderungen vor.
Ohne Teamfähigkeit werden es die Schüler/innen sehr schwer im Berufsleben haben. Durch den Einsatz eines spezifischen sozialen Lernangebotes sollen gezielt Schwerpunkte bei der sozialen Kompetenzentwicklung gesetzt werden. Diese Schwerpunkte beziehen sich auf folgende Handlungsfelder des sozialen Lernens, die alle miteinander eng in Verbindung stehen und sich an unseren Grund- und Menschenrechten orientieren.

4. Soziales Lernen Handlungsfelder und Anforderungen nach M. Wichniarz und M. Hambürger
Handlungsfeld Anforderungen
Kontakt aufnehmen/Kennen lernen/Regeln vereinbaren und einhalten/Miteinander klarkommen Schüler/innen
  • nehmen zu anderen Kontakt auf,
  • lernen sich selbst kennen,
  • lernen andere (genauer) kennen,
  • betrachten die Informationen über andere als bedeutsam und verarbeiten sie,
  • erkennen, respektieren und akzeptieren die Andersartigkeit anderer,
  • hinterfragen ihre Vorstellungen von anderen (ihre Vorurteile),
  • gehen verantwortungsbewusst mit dem Wissen über andere um,
  • erarbeiten, beachten, überprüfen und revidieren wichtige Regeln des Zusammenlebens.
Sich selbst und andere wahrnehmen/Selbst-Wertgefühl stärken
  • nehmen sich selbst wahr, nehmen andere wahr,
  • nehmen eigene Bedürfnisse, Wünsche, Ansprüche wahr und bringen sie zum Ausdruck bringen, nehmen die Bedürfnisse etc. anderer wahr,
  • entwickeln und wertschätzen ihre körperlichen, kognitiven und emotionalen Fähigkeiten,
  • erkennen eigene Stärken und Schwächen und gehen damit um, erkennen Stärken und Schwächen anderer und gehen damit um,
  • gehen mit sich achtsam um und fühlen sich mit sich selbst wohl, gehen mit anderen achtsam um,
  • helfen sich selbst und lassen sich helfen, helfen anderen,
  • entscheiden sich und bestimmen über sich selbst,
  • bauen ein positives Selbstkonzept auf.
Mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer umgehen
  • nehmen die eigenen Gefühle wahr, drücken sie aus und gehen mit hnen konstruktiv um,
  • nehmen die Gefühle anderer wahr, entwickeln Einfühlungsvermögen,
  • gehen mit den Gefühlen anderer konstruktiv um, d. h. sie beziehen die Wünsche, Bedürfnisse etc. des anderen in das eigene Verhalten ein.
Kommunikationsfähigkeit erweitern
  • machen sich verständlich und verstehen andere,
  • halten sich an Gesprächsregeln,
  • nehmen den Standpunkt anderer ernst und koordinieren ihn mit dem eigenen,
  • nehmen einen Perspektivwechsel vor,
  • bedienen sich einer Sprache, die andere nicht verletzt,
  • diskutieren Konflikte mit den anderen konstruktiv und entwickeln Klärungsmöglichkeiten.
Kooperationsfähigkeit entwickeln
  • arbeiten mit anderen zusammen,
  • planen ein Vorhaben gemeinsam, führen es durch und bewerten es,
  • verfolgen ein mit anderen verabredetes Ziel gemeinsam,
  • übernehmen Verantwortung für eine gemeinsame Sache,
  • vereinbaren Regeln für die Teamarbeit und halten sich daran,
  • moderieren Gespräche, vermitteln zwischen anderen.
Mit Konflikten konstruktiv umgehen
  • kontrollieren Impulse,
  • nehmen Gefühle wie Ärger, Wut, Angst etc. wahr und drücken sich sprachlich aus,
  • beschreiben Probleme, suchen und finden Problemlösungen,
  • gehen konstruktiv mit Konflikten um, d. h. sie verzichten dabei auf jede Form von Gewalt,
  • bedienen sich dabei einer nicht verletzenden Sprache.
Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschlechterzuschreibungen fördern
  • setzen sich mit Erwartungen an und Vorstellungen von Geschlechtern kritisch auseinander,
  • versetzen sich in die andere Geschlechterrolle,
  • suchen, finden und gehen einen eigenen Weg.
Zu diesen Handlungsfeldern werden in der Schule Spiele und Übungen durchgeführt (siehe dazu die Literaturangaben in der Anlage). Es ist nicht beabsichtigt, einen stufenweise aufgebauten Lehrplan für die verschiedenen Klassenstufen aufzustellen, weil Soziale Erziehung immer im Kontext zur Unterrichtsgruppe steht und sich nach deren momentanen aufgetretenen Problemen richten muss.

5. Organisatorische Vorgaben
Im Unterricht der 1. bis 4. Klassen geschieht die Soziale Erziehung im vorfachlichen Unterricht, die Klassen 5 und 6 haben im Stundenplan eine zusätzliche Randstunde für die Soziale Erziehung, die von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer geleitet wird, so dass auch Jungen- und Mädchenarbeit möglich ist. Außerdem gibt es im Schulleben eingeplante Vorgaben, die ebenfalls zur Sozialen Erziehung gehören:

  • Neben den den Handlungsfeldern zuzuordnenden Übungen und Spielen führen einzelne Saphklassen Teile des Faustlos-Programmes durch.
  • In einigen Klassen der Schulanfangsphase wird das Verhaltenstraining für Schulanfänger "Auf Schatzsuche mit Ferdi" (Petermann u. a.) durchgeführt. Es ist ein Programm zur Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen. Die Durchführung soll auf alle SAPH-Klassen ausgedehnt werden.
  • In zwei Klassen wird seit dem letzten Schuljahr das Programm nach Petermann erprobt.
  • Das Schülerparlament, das aus den Klassensprecherinnen und Klassensprechern der 3. bis 6. Klassen besteht, tagt in der Regel alle vier Wochen.
  • Die Schülerinnen der 3. bis 6. Klassen wählen alle zwei Jahre nach einer Wahlveranstaltung in der Aula in geheimer Wahl zwei Vertrauenslehrerinnen/Vertrauenslehrer.
  • Die beiden Vertrauenslehrerinnen/Vertrauenslehrer leiten das Schülerparlament.
  • Die Klassenleiterinnen/Klassenleiter geben den Klassensprecher/innen Gelegenheit aus dem Schülerparlament zu berichten.
  • Die Vertrauenslehrer/innen sind verantwortlich für den "Kummerkasten" der Schule.
  • Die Elternvertretung der Schule wählt zwei Eltern, die an den Sitzungen des Schülerparlamentes teilnehmen.
  • In jedem Schuljahr werden neue Schülermediatoren ausgebildet, die in darauffolgendem Jahr in der Mediation tätig sind.
  • Es gibt Klassen- und Schulordnungen, die auch im Hortbetrieb gelten. In der Woche findet mindestens ein Gesprächskreis statt.
  • Alle 6. Klassen nehmen regelmäßig von September bis November am einwöchigen "Kick-Projekt" (Antigewaltprogramm) teil.
  • Wenn Plätze zur Verfügung gestellt werden können, nehmen Klassen am Brummi-Projekt (Gewaltprävention für jüngere Schüler/innen) teil.
  • Nach Absprache werden Projekttage mit unseren Kooperationspartnern vom Polizeiabschnitt 34 durchgeführt.
  • Alle Klassen beteiligen sich an der Ausgestaltung des Schulhauses.
  • In den Hofpausen werden Pausenaktivitäten (Ballwagen mit Beschäftigungsmaterial) angeboten.
  • Die Schule nimmt am Buddy-Projekt teil.
  • Feste, Feiern und Projekte unterteilen das Schulleben und binden Schüler/innen ein:
    • Einschulung,
    • Abschiedsfeier der 6. Klassen,
    • Sommerfeste,
    • Weihnachtsbasar,
    • Weihnachtshochsprung der 5. und 6. Klassen,
    • Mathematikolympiade,
    • Känguruwettbewerb,
    • Osterstaffeln der 3. und 4. Klassen,
    • Vorlesewettbewerb,
    • Bundesjugendspiele,
    • Fasching,
    • Halloween,
    • Laternenumzug,
    • Bunte Abende,
    • Multikulturelle Feste.
Anlage
Literaturverzeichnis

  • Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin
    Rahmenlehrplan Grundschule, Berlin 2004
  • Margot Wichniarz und Margarete Hambürger
    Demokratie lernen und leben. Achten, respektieren, anerkennen. Schulinterne Fortbildung zum sozialen Lernen, pädagogisch begleitet
  • Jamie Walker
    Konstruktive Konfliktbehandlung im Klassenzimmer/Berliner Institut für Lehrerfort- und weiterbildung und Schulentwicklung 1994-1998, Band 1-7
  • Team Soziales Lernen u. a. Margot Wichniarz, Helga Neumann
    Seminarpapiere 2006-2009
  • Kirsten Hoffmann/Veronika v. Lilienfeld-Toal
    STOPP, Kinder gehen gewaltfrei mit Konflikten um (mit Kopiervorlagen)
Weiterführende Internetadressen:
www.basta-net.de Nein zur Gewalt, das Portal für Politische, Soziale und Ökonomische Bildung
www.fassmichnichtan.de  Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik
www.konflikte-als-chance.de
www.wir-kuemmern-uns-selbst.de "Konfliktlösung im öffentlichen Raum"
Praxisbuch Zum kostenlosen Download: Das Praxisbuch zur Konfliktberatung "Wir kümmern uns selbst - Konflikte mit Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Raum"